heatbeat Blog

Newsletter-Ausgabe 66
01.04.2026

Verbesserung der Methodik zur Einbindung von Potenzialen in die kommunale Wärmeplanung

Liebe Leserinnen und Leser,

Wie gewohnt präsentieren wir Ihnen in der 66. Ausgabe unseres heatbeat Newsletters einen aktuellen Artikel aus der Forschung. Er befasst sich mit der räumlichen Bewertung von Potenzialen in der kommunalen Wärmeplanung und stellt dabei einen neuen Ansatz mit einem stärken Fokus auf die Umsetzbarkeit vor. Außerdem möchten wir Ihnen in diesem Newsletter einen kurzen Überblick über die wichtigsten Entwicklungen und Neuigkeiten rund um heatbeat und unseren Digital Twin geben.

Neues von heatbeat und dem heatbeat Digital Twin

Auch in unserem heatbeat Digital Twin beschäftigen wir uns mit der kommunalen Wärmeplanung: Wir sind überzeugt, dass die Ergebnisdaten aus der KWP einen großen Mehrwert bieten, wenn sie nahtlos für eine detaillierte Wärmenetzplanung weitergenutzt werden können. Hier konnten wir im März neue Ansichten hinzufügen und unterstützen nun eine noch feinere Einteilung in Eignungsgebiete – unter anderem auch für Wärmenetze nochmal unterteilt nach unterschiedlichen Betreibermodellen.

Darüber hinaus lag ein großer Schwerpunkt unserer Digital-Twin-Entwicklung im März auf der verbesserten Unterstützung von Sekundärnetzen in Auslegung und Netzsimulation. Damit können Nutzende unseres Design-Moduls nun nicht nur Unterstationen und Sekundärnetze selbstständig in Netzentwürfen abbilden, sondern auch die automatisierte Netzdimensionierung und die Simulation in komplexen Netzen mit unterschiedlichen Temperaturniveaus und mehreren Sekundärnetzen durchgehend nutzen.

Und neben neuen Funktionen konnten wir im März auch mit Blick auf die IT-Sicherheit Fortschritte machen: Ab sofort bieten wir unseren Kunden auch die Möglichkeit, ihren Zugang zum heatbeat Digital Twin durch eine 2-Faktor-Authorisierung zusätzlich abzusichern. Zusätzlich bekommen Organisationen ab sofort die Möglichkeit, diese zusätzliche Sicherheitsoption für alle Mitarbeitenden als verpflichtend vorzugeben, wenn dies gewünscht ist oder die eigenen Unternehmensrichtlinien es erfordern.

Weitere Informationen zu den neuesten Entwicklungen in unserem Digital Twin finden Sie auch wie gewohnt im Feature Update in unserem Blog.

Rethinking Spatial Potential Analysis with New Data: Integrating Supply, Demand, and Implementation Criteria in Municipal Heat Planning

Rack et al., Technical University of Applied Sciences Augsburg

Die kommunale Wärmeplanung hat sich in den vergangenen Jahren zu einem der wichtigsten strategischen Instrumente der Wärmewende entwickelt – und steht inzwischen im Zentrum politischer wie planerischer Erwartungen. Doch während der gesetzliche Rahmen von GEG und WPG zunehmend klare Zielvorgaben setzt, bleibt die methodische Qualität der zugrunde liegenden Potenzialanalysen weiterhin sehr uneinheitlich. Genau an diesem Punkt setzt die Studie von Rack et al. an: Sie untersucht, weshalb heutige Potenzialabschätzungen häufig nur begrenzten Nutzen für die spätere Umsetzung entfalten und wie ein methodischer Neustart aussehen kann, der technische Optionen, räumliche Realisierbarkeit und lokale Entscheidungslogiken stärker verzahnt.

Die Autoren zeigen zunächst, dass viele bestehende Wärmepläne in Deutschland stark von theoretischen und maximal verfügbaren Potenzialen geprägt sind. Diese Werte vermitteln häufig ein Bild großer Möglichkeiten – sagen jedoch wenig darüber aus, welche Quellen unter realen infrastrukturellen, räumlichen oder rechtlichen Bedingungen tatsächlich aktiviert werden können. Expertinnen und Experten, die im Rahmen der Studie befragt wurden, bestätigen diese Lücke deutlich. Sie schildern, dass Wärmepläne oft nur „Maximalleistungen“ aufführen, die sich in der praktischen Umsetzung als kaum brauchbar erweisen, da sie Fragen wie Zugänglichkeit, Eigentumsverhältnisse, korrekte räumliche Zuordnung von Quellen zu Nachfragegebieten oder lokale Hindernisse nicht berücksichtigen. Gleichzeitig wird sichtbar, dass die Qualität und Verfügbarkeit bestimmter Daten – trotz etwa in Bayern insgesamt guter Geodatenbasis – stark schwankt oder nur teilweise offen zugänglich ist. Dies führt zu erheblichen Unterschieden zwischen Kommunen und erschwert eine verlässliche Vergleichbarkeit.

Auf Basis einer umfassenden Literaturrecherche, einer Dokumentenanalyse zu bestehenden Wärmeplänen sowie Expertinnen und Experteninterviews entwickeln Rack et al. einen alternativen methodischen Ansatz. Im Zentrum steht ein zweistufiges PotenzialanalyseFramework, welches die derzeit üblichen generischen Hochrechnungen systematisch um räumlich kontextuelle Kriterien und kommunales Erfahrungswissen erweitert. Die erste Stufe dient als datengetriebener, GISbasierter ScreeningProzess. Mit Hilfe offener Geodaten werden Wärmequellen zunächst anhand objektiver räumlicher Kriterien – wie Distanzbeziehungen, Höhenunterschiede, Schutzgebiete, Netzanschlusspunkte oder Landnutzungsrestriktionen – vorselektiert. Dieser Schritt soll vor allem dafür sorgen, dass frühzeitig jene Optionen aussortiert werden, die zwar theoretisch attraktiv erscheinen, aber unter realen Rahmenbedingungen keine Chance auf Umsetzung haben.

Der zweite Schritt vertieft anschließend die vielversprechenden Optionen durch die Integration kommunaler Detailinformationen. Hier rücken Aspekte in den Fokus, die selten in offenen Datensätzen vorliegen, aber über die Machbarkeit entscheiden: Eigentumsverhältnisse, technische oder administrative Barrieren entlang möglicher Trassen, Synergien mit zukünftigen Baumaßnahmen, lokale Bodenbedingungen oder soziale Faktoren, die Akzeptanz und Nachfrageentwicklung beeinflussen. Erst dieser Schritt schafft die Brücke zwischen abstrakter Potenzialbetrachtung und der für Investitionsentscheidungen notwendigen Machbarkeitsperspektive.

Die Studie macht deutlich, dass viele der heute beobachteten Brüche zwischen Potenzialanalysen und späteren Machbarkeitsstudien struktureller Natur sind. Die häufig fehlende Integration räumlicher Kriterien führt dazu, dass Wärmepläne Potenziale ausweisen, die im nächsten Schritt wieder verworfen werden müssen – ein ineffizienter Prozess, der Zeit und Ressourcen bindet. Das vorgeschlagene Framework adressiert dieses Problem, indem es die Potenzialanalyse selbst stärker auf Umsetzbarkeit ausrichtet und damit ihre Rolle als strategisches Instrument der kommunalen Wärmewende stärkt. Indem räumliche Eignung, lokale Daten und qualitative Expertise systematisch kombiniert werden, erhält die kommunale Wärmeplanung eine belastbarere Grundlage, um Maßnahmen zu priorisieren und realistische Transformationspfade zu entwickeln.

Insgesamt zeigt die Arbeit eindrucksvoll, dass die Zukunft der Wärmeplanung nicht in immer komplexeren Modellierungen liegt, sondern in methodischer Klarheit, räumlicher Präzision und einer neuen Balance zwischen generischer Analyse und lokalem Wissen. Das zweistufige Framework stellt dafür einen praxisnahen und anschlussfähigen Vorschlag dar – und könnte sich als zentraler Baustein für professionellere, vergleichbarere und vor allem umsetzungsorientiertere Wärmepläne etablieren.

Weitere Informationen

Wie immer empfehlen wir Ihnen, den vollständigen Artikel zu lesen. Wir arbeiten bereits jetzt in der kommunalen Wärmeplanung eng mit Experten aus dem Wärmnetzbereich zusammen und können auf einen großen Erfahrungsschatz in der Umsetzung von Wärmenetzen zurückgreifen. Somit erfolgt die Potenzialbewertung in unseren heatbeat Digital Twin immer unter Berücksichtigung der realistischen Umsetzbarkeit. Hierfür unterscheiden wir zwischen theoretischem, technischem, wirtschaftlichem und realisierbarem Potenzial, worin unter anderem die Eigentumsverhältnisse (ob kommunal oder privat) oder Entfernungen zum Siedlungsgebiet, berücksichtigt werden. Unser Ingenieursteam kann Sie in Kombination mit unserem heatbeat Digital Twin jederzeit dabei unterstützen, Potenziale und Wärmenetze umzusetzen und kommunale Wärmpläne zu erstellen.

Im April ist es wieder soweit: Sie können sich kostenfrei für unser nächstes Webinar Feature Update Live am 22.04.2026 anmelden, in dem wir Ihnen die neuesten Entwicklungen in unserem heatbeat Digital Twin aus den letzten 3 Monaten vorstellen. Darüber hinaus werden wir mit einem Stand auf den Fachtagen Fernwärme in Kassel vom 28. bis 29.04. vertreten sein und freuen uns, dort mit Ihnen ins Gespräch zu kommen.

Die nächste Ausgabe unseres Newsletters erscheint am 6. Mai 2026.

Mit freundlichen Grüßen,
Ihr Heatbeat-Team

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