Die Konzeptstudie für die Wärmenetzplanung in Wesel umfasst eine Bestandsaufnahme und Digitalisierung der aller Gebäude in Wesel. Aus allen Gebäuden wurden zusammen mit den Stadtwerken Wesel Ankerkunden für ein erstes Ausbauszenario definiert. Insgesamt werden ca. 8 MW Leistung und 22 GWh Jahresverbrauch berücksichtigt. Für eine präzise Bedarfsermittlung werden gebäudescharfe Verbrauchsdaten aus Gasabrechnungen genutzt, während für Gebäude ohne Messwerte eine Bedarfsabschätzung erfolgt. Alle relevanten Daten – einschließlich Fläche, Baualter, Verbrauch und Bedarf – werden georeferenziert erfasst und visualisiert.
Ein stündlich aufgelöster Wärmebedarfslastgang wird entwickelt, um eine dynamische Bedarfsabschätzung der Gebäude zu ermöglichen. Zusätzlich wird eine Potenzialanalyse durchgeführt, die die Leistung, Energie und den stündlichen Verlauf des Potenzials für ein Jahr betrachtet. Im Fokus stehen hierbei Abwasserwärme aus dem Klärwerk sowie die Integration eines Blockheizkraftwerks (BHKW) als mögliche Erzeugungsoptionen.
Für die Netzplanung werden zwei Varianten mit unterschiedlichen Anschlussquoten untersucht. Jede Variante wird hinsichtlich Trassierung, Dimensionierung und Kosten bewertet. Eine abschnittsscharfe Kostenschätzung, ergänzt durch eine Druckverlustberechnung und Analyse der thermischen Verluste, stellt die technische Machbarkeit sicher. Ergänzend dazu werden verschiedene Energiesystemoptionen konzipiert, ausgewählt und simuliert. Im Mittelpunkt stehen Wärmepumpen, BHKW und kurzfristige Speicher, die auf ihre Leistungsfähigkeit und Integration ins Gesamtsystem geprüft werden. Für eine ganzheitliche Systembewertung werden die Primärenergiefaktoren sowie absolute und spezifische CO₂-Emissionen berechnet. Abschließend erfolgt eine Wirtschaftlichkeitsbewertung, um die langfristige Rentabilität der untersuchten Szenarien zu bewerten.
Die Konzeptstudie wurde als Entscheidungsgrundlage dafür genutzt, um das Modul I der BEW (Planung des Systems) zu beantragen und durchzuführen. Die Stadtwerke Wesel konnten die Ergebnisse ideal zur Kommunikation mit der Kläranlage, den Ankerkunden und der weiteren Planung genutzt werden.